Bei der Auswahl eines Indexfonds oder -ETF spielt die Gewichtungsmethodik eine wichtige Rolle, wobei die Gewichtung nach Marktkapitalisierung und die Gleichgewichtung zu den gängigsten Methoden zählen.
Durch eine Gewichtung nach Marktkapitalisierung können Anlegerinnen und Anleger ein „passives“ Exposure auf einen bestimmten Markt aufbauen: Da sie in alle Vermögenswerte dieses Marktes entsprechend ihrer Marktkapitalisierung investieren, gleicht die Struktur ihres Portfolios der des Marktes selbst. Kapitalgewichtete Indexfonds sind schon seit vielen Jahren am Markt und daher weiter verbreitet.
In einem gleichgewichteten Portfolio sind dagegen alle Wertpapiere, wie der Name schon sagt, genau gleich gewichtet. Gleichgewichtete Strategien sind aktive(re) Strategien, schließlich weichen sie durch ihre Untergewichtung von Large-Cap- und Übergewichtung von Small-Cap-Aktien vom Markt ab. Diese Methodik kommt in regelmäßigen Abständen in Mode – zum Beispiel, wenn Anlegerinnen und Anleger mit Sorge auf die Dominanz bestimmter Marktsegmente oder Branchen blicken.
Beide Ansätze haben Vor- und Nachteile. Anlegerinnen und Anleger sollten jedoch in jedem Fall sicherstellen, dass sie die Kosten, Risiken und letztlich das Exposure verstehen, das sie mit einer bestimmten Strategie erhalten. In diesem Artikel gehen wir auf die grundlegenden Mechanismen beider Methoden ein und erläutern, warum wir kapitalgewichtete Indizes die bessere Option für Anlegerinnen und Anleger sein könnten, die ein diversifiziertes Aktien-Exposure (insbesondere in den USA) anstreben.
Die Grundlagen: Kapitalgewichtete vs. gleichgewichtete Indizes
In einem kapitalgewichteten Index werden einzelne Wertpapiere entsprechend ihrer (Streubesitz-)Marktkapitalisierung gewichtet,1 sodass Unternehmen mit größerer Marktkapitalisierung einen größeren Anteil am Index haben. Zu den wichtigsten kapitalgewichteten Indizes gehören der S&P 500 Index und der Russell 3000 Index.
Kapitalgewichtete Indizes bieten Anlegerinnen und Anlegern mehrere Vorteile:
- Marktabbildung: Die Gewichtung nach Marktkapitalisierung ist weniger „irgendeine Gewichtungsmethodik“ als vielmehr die neutrale Abbildung eines bestimmten Marktsegments. Da sie die Marktkomponenten entsprechend ihrer wirtschaftlichen Bedeutung gewichtet, könnte man sagen, dass sie die Entwicklung dieses Marktsegments am besten abbildet.
- Liquidität und Handelsvolumen: Die Aktien größerer Unternehmen sind häufig liquider und können daher zu geringeren Kosten gehandelt werden. Ein relativ hoher Anteil von Aktien mit großer Marktkapitalisierung kann also die Transaktionskosten senken und die Indexnachbildung effizienter machen.
- Portfolioumschlag: Im Vergleich zu gleichgewichteten Indizes sind kapitalgewichtete Indizes relativ einfach zu replizieren. Verändert sich die Marktkapitalisierung einer Aktie durch steigende oder fallende Kurse, so verändert sich auch ihre Gewichtung im Index – eine Anpassung ist nicht erforderlich.
Kapitalgewichtete Indizes haben jedoch auch Nachteile, darunter:
- Konzentration: Mit dem Anteil einzelner Aktien oder Branchen an einem kapitalgewichteten Index steigt auch ihr Einfluss auf die Entwicklung dieses Index. Wenn diese Unternehmen oder Branchen plötzlich deutlicher an Wert verlieren als der restliche Markt, werfen kapitalgewichtete Indizes Minderrenditen gegenüber gleichgewichteten Indizes ab.
- Niedrigere Gewichtung kleinerer Unternehmen: Auch wenn kleinere Unternehmen höhere Renditen abwerfen als größere Unternehmen, bleiben kapitalgewichtete Indizes hinter gleichgewichteten Indizes zurück, da kleine Unternehmen in Letzteren immer höher gewichtet sind.
In einem gleichgewichteten Index wie dem S&P 500 Equal Weight Index wird dagegen jedem im Index enthaltenen Wertpapier das gleiche Gewicht zugewiesen.
Zu den Vorteilen dieser Gewichtungsmethodik gehören unter anderem:
- Geringeres Konzentrationsrisiko: In Zeiten, in denen einzelne Branchen kapitalgewichtete Indizes dominieren, kann eine Gleichgewichtung die Abhängigkeit des Index von diesen Branchen reduzieren.
- Diversifizierung: Im Vergleich zu kapitalgewichteten Indizes gewinnen Unternehmen mit mittlerer und kleiner Marktkapitalisierung an Bedeutung, was zu einem ausgewogeneren Exposure auf die verschiedenen Kapitalsegmente führt.
Eine Gleichgewichtung hat jedoch auch Nachteile:
- Relatives Risiko: Viele Anlegerinnen und Anleger vergleichen die Wertentwicklung ihres Fonds mit dem Markt. Wenn gleichgewichtete Indizes dem Markt – und damit kapitalgewichteten Indizes – hinterherlaufen, trennen sich vielleicht einige dieser Anlegerinnen und Anleger von ihrer Anlagelösung und verzichten damit auf die erwartete (langfristig positive) Aktienmarktrendite.
- Volatilität: Gleichgewichtete Indizes können volatiler sein als kapitalgewichtete Indizes, da tendenziell volatilere kleinere Unternehmen in gleichgewichteten Indizes höher gewichtet sind.
- Höherer Umschlag, höhere Transaktionskosten: Damit gleichgewichtete Indizes auch gleichgewichtet bleiben, muss die Gewichtung ihrer Komponenten regelmäßig angepasst werden, was den Umschlag und die Transaktionskosten im Vergleich zu kapitalgewichteten Indizes erhöhen kann. Dabei gilt: Je häufiger die Gewichtung eines Index angepasst wird, desto deutlicher steigen die Kosten. Untersuchungen von Vanguard zeigen, dass der Umschlag des S&P 500 Equal-Weight-Index in den zehn Jahren bis November 2024 im Durchschnitt mehr als fünfmal so hoch war wie der des S&P 500 Market-Weight-Index.
Auch wenn dies kein absoluter Nachteil, sondern eher eine praktische Notwendigkeit ist, sollten Anlegerinnen und Anleger bedenken, dass die Gewichtungen der Komponenten eines gleichgewichteten Index nur unmittelbar nach einem Rebalancing tatsächlich gleich sind. Zwischen zwei Rebalancing-Terminen (zum Beispiel jeweils zu Quartalsbeginn) können die Gewichtungen einzelner Aktien je nach Kursentwicklung steigen oder fallen. Dem könnte man natürlich durch häufigeres Rebalancing begegnen, doch das würde auch zu höheren Kosten führen.
Exposure-Analyse: Eine Gleichgewichtung verschiebt die Risiken, sie beseitigt sie nicht
Gleichgewichtete Indizes gelten häufig als Mittel gegen Konzentrationsrisiken. Das Problem: Durch einen Wechsel von einem kapitalgewichteten zu einem gleichgewichteten Index verschieben Anlegerinnen und Anleger lediglich die Risikoquellen, sie beseitigen die Risiken jedoch nicht.
Ein Vergleich zwischen den kapitalgewichteten S&P 500 und Russell 3000 Indizes mit ihren äquivalenten gleichgewichteten Indizes verdeutlicht das Problem: Alle diese Indizes bilden den US-Aktienmarkt ab. Schaut man jedoch genauer hin, finden sich einige wichtige Unterschiede.
Will eine Anlegerin zum Beispiel ihr Exposure auf den IT-Sektor reduzieren, so kann sie dieses Ziel mit einem gleichgewichteten Index tatsächlich erreichen, wie das nachstehende Diagramm am Beispiel des S&P 500 Index deutlich macht. Im Gegenzug geht sie jedoch aktives Risiko durch Abweichungen vom Markt ein: Der IT-Sektor ist untergewichtet, die Gewichtung anderer Sektoren wie Industrie, Grundstoffe, Immobilien und Versorger steigt dagegen um fast das Doppelte. Mehr- und Minderrenditen in einem dieser übergewichteten Sektoren führen zu Mehr- und Minderrenditen des gleichgewichteten Index gegenüber dem Markt – und damit auch gegenüber kapitalgewichteten Indizes.
Sektor-Exposures des kapital- und des gleichgewichteten S&P 500 Index