Kernpunkte

  • Anhaltende Störungen in der Energieversorgung gefährden Wachstum, Inflation und Geldpolitik. Am anfälligsten für einen Stagflationsschock ist Europa.
  • Angebotsschocks, die vom Energiemarkt ausgehen, dürften Zinssenkungen verzögern, insbesondere in den USA.
  • Geopolitische Ungewissheit kann Aktien- und Anleihemärkte gleichzeitig belasten, doch gegen Marktvolatilität hilft vor allem Disziplin.

Wie weit die Ölpreise steigen und wie lange sie auf diesem Niveau verharren, wird aller Voraussicht nach von der Dauer des Irankonflikts abhängen. Ein andauernder Konflikt würde die Wirtschaft stärker belasten – und könnte die Entschlossenheit von Anlegerinnen und Anlegern auf die Probe stellen.

Sowohl die US- als auch die Weltwirtschaft stehen nach unserer Einschätzung zwar weiterhin auf soliden Füßen, Ausmaß und Dauer der Disruption in der Energieversorgung bergen jedoch erhebliche Risiken für Wachstum, Inflation und die Entscheidungsfindung der Zentralbanken.

Die nachstehende Grafik zeigt, wie schnell und massiv der Ölschock gewirkt hat.

Ölpreise und Prämien steigen bei Konflikten an

Liniendiagramm, das die Frontmonatspreise für Brent-Rohöl in US‑Dollar pro Barrel im Zeitverlauf zeigt, überlagert von einem schattierten Flächendiagramm, das den Auf- bzw. Abschlag des Frontkontrakts in Prozent darstellt. Wichtige geopolitische Ereignisse sind annotiert, nämlich der Erste Golfkrieg, der Irakkrieg und der Russland‑Ukraine‑Krieg.

Anmerkungen: Die Prämie bzw. der Abschlag für den nächstfälligen Kontrakt gegenüber dem 6-Monats-Kontrakt ist eine marktbasierte Kennzahl für Risikoprämien.

Quellen: Berechnungen von Vanguard auf Grundlage von Bloomberg-Daten; Stand: 9. März 2026.

Die Ölpreise und marktbasierten geopolitischen Risikoprämien sind ähnlich schnell gestiegen wie während des ersten Golfkriegs im Jahr 1990 sowie während des Russland/Ukraine-Konflikts im Jahr 2022. Damals hielten sich Preise und Risikoprämien nach einem rasanten Anstieg mehrere Monate auf hohem Niveau und gingen erst mit der angebotsseitigen Stabilisierung allmählich zurück.

Begrenzte Transport-, Versicherungs- und Lagerkapazitäten schränken jedoch den Energieexport des gesamten Nahen Ostens ein, nicht nur die Ölproduktion. Wenn diese Engpässe ähnlich wie in früheren Krisen fortbestehen, könnten die wirtschaftlichen Folgekosten steigen.

Sollten die Unterbrechungen in der Erdöl- und Erdgasversorgung und die damit verbundene Unsicherheit ähnlich lange andauern wie 1990 oder 2022, würde die stagflationäre Wirkung der makroökonomischen Auswirkungen zunehmen. Anhaltende Energiepreisschocks könnten die Inflation anheizen, die Finanzkonditionen verschärfen und politische Abwägungen erschweren.

Wen würden höhere Ölpreise besonders hart treffen?

Die größten Verlierer einer anhaltenden Ölpreiskrise wären der Euroraum und Japan. Den Euroraum würden Öl- und Gaspreise von 125 US-Dollar pro Barrel bzw. 150 Euro pro Megawattstunde bis Jahresende ein Prozent reales Wirtschaftswachstum kosten und die Wirtschaft damit in eine Rezession stürzen.

Deutlich steigende Energiepreise bergen zudem die Gefahr eines Stagflationsschocks für die europäische Wirtschaft, der die Europäische Zentralbank zu einem Kurswechsel zwingen könnte. Wir halten fallende Zinsen daher nicht länger für wahrscheinlicher als steigende Zinsen.

Die fundamentale Stärke der US-Wirtschaft

Dagegen zeigt unsere Analyse, dass die US-Wirtschaft relativ robust ist. Für eine Rezession müsste der Ölpreis bis Jahresende bei 150 US-Dollar pro Barrel verharren, zudem müssten sich die Finanzkonditionen massiv verschärfen, etwa durch sinkende Vermögenspreise und höhere Zinsen.

Die nachstehende Tabelle zeigt, welche wirtschaftlichen Auswirkungen wir von höheren Ölpreisen erwarten. Wir orientieren uns dabei an historischen Ereignissen und berücksichtigen auch Variablen wie gegenläufige Steuer- und Geldpolitik. Sollten die Erdgaspreise ebenfalls auf hohem Niveau bleiben, würde die Inflation im Euroraum noch deutlich ansteigen.

Hohe Ölpreise würden Europa und Japan stärker belasten als die USA

Tabelle, die die wirtschaftlichen Auswirkungen unter drei Szenarien—Deeskalation, Moderat und Anhaltend—zusammenfasst, basierend auf Dauer und Ausmaß der Ölpreisanstiege. Die Spalten vergleichen die Szenarien nach Dauer, Ölpreisspanne, Auswirkungen auf das BIP, die Gesamtinflation sowie die Kerninflation. Die Zeilen zeigen die Effekte für die Vereinigten Staaten, den Euroraum und Japan, mit sukzessiv stärkeren BIP‑Rückgängen und Inflationsanstiegen in den länger andauernden Szenarien.

Anmerkungen: Bps steht für Basispunkte (ein Basispunkt ist ein Hundertstel eines Prozentpunktes).

Quellen: Berechnungen von Vanguard auf Grundlage von Daten von Oxford Economics und der US-Notenbank; Stand: 9. März 2026.

Die US-Wirtschaft kann einen Energieschock vergleichsweise gut auffangen – vor allem dann, wenn dieser nur von kurzer Dauer ist. Die Bilanzen der privaten Haushalte sind ebenso robust wie der Arbeitsmarkt und die Fundamentaldaten der Unternehmen. Eine Deeskalation und ein anschließender Rückgang der Ölpreise könnten daher zu einer Erholung von Wirtschaft und Märkten führen. In diesem Szenario wären Pessimismus und verschärfte Finanzkonditionen wahrscheinlich nur von kurzer Dauer und das Risiko bleibender Schäden gering, Konjunktur und Finanzmärkte würden schnell wieder anspringen.

Die wahrscheinliche Reaktion der US-Notenbank

Durch den anhaltenden Konflikt im Nahen Osten und die hohen Ölpreise sind den Zentralbanken wohl bis auf Weiteres die Hände gebunden, zudem sind Engpässe in der Energieversorgung kein Problem, das sich durch Geldpolitik lösen lässt. Allerdings kommen beide Seiten des Doppelmandats der US-Notenbank (Fed) unter Druck, und solange diese Situation anhält, wird die Fed wohl eher abwarten, in Anbetracht der bereits jetzt hohen Inflation jedoch mögliche Veränderungen in den Inflationsprognosen genau beobachten.

Zudem würden höhere Ölpreise wohl den Zeitplan für Zinssenkungen durcheinanderbringen. Wir rechnen in diesem Jahr nur mit einer Zinssenkung, die Märkte haben sich unserer Einschätzung seit Beginn des Konflikts angeschlossen.

Bis dahin müssen sich Anlegerinnen und Anleger vorbereiten auf das, was kommen könnte.

Geopolitische Unsicherheit kann Aktien- und Anleihekurse gleichzeitig unter Druck setzen, auch wenn die Wirtschaft eigentlich stabil ist. Anlegerinnen und Anleger können am besten durch ein volatiles Marktumfeld  bewältigen und an einer anschließenden Erholung partizipieren, wenn sie die Ruhe bewahren und an ihre langfristigen Strategie festhalten.

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