Massy Williams: Joe, am 2. April wurden Zölle angekündigt, und der Markt hat sofort reagiert. Kannst du uns erzählen, wie diese Ankündigung und wahrscheinlich auch das, was wir derzeit am globalen Handelsmarkt sehen, den Grad der Uneindeutigkeit und Unsicherheit an den Märkten beeinflussen?
Joe Davis: Gern. Nun, das war wieder einmal sehr viel für uns alle, Massy. Wir erleben eine Reaktion auf einen der größten Handelsschocks seit fast einem Jahrhundert. Allein diese Aussage lässt schon tief blicken.
Zu Beginn des Jahres gingen wir, also Vanguard, mein Team und ich, vor dem Hintergrund unserer Kenntnisse der Absichten der Regierung davon aus, dass die USA einige Zölle einführen würden. Seitdem sind jedoch nicht nur diese Zölle in Kraft getreten, sondern auch einige zusätzliche Zölle, die höher sind und mehr Länder betreffen – das, was du eben erwähnt hast mit den Mindestzöllen von 10% auf jedes Land.
Und das wird natürlich wirtschaftliche Folgen haben, auch weil Verbraucherinnen und Verbraucher weniger ausgeben[s1] , wenn die Preise steigen. Volkswirtinnen und Volkswirte sprechen in diesem Zusammenhang von Stagflation. Dieses Risiko haben wir in unserem diesjährigen Ausblick hervorgehoben. Also nochmal, es ist wirklich ein erheblicher Schock. Und dann werden die Märkte natürlich Zweitrundeneffekte, also mögliche Vergeltungsmaßnahmen anderer Länder, einpreisen müssen.
Und dann ist da noch die Ungewissheit, ob dies das Ende ist, ob es zu Verhandlungen kommen wird, was meiner Meinung nach irgendwann passieren wird. Aber: Wie lange wird das dauern? All das ist eine unangenehme Mischung – Unsicherheit, Wachstumsbremsen, Inflationsschübe. Und diese Mischung trifft auf einen Markt, der insbesondere in den USA ziemlich teuer war. Diese vier Dinge zusammen sind aus meiner Sicht der Grund, warum der Markt so eingebrochen ist, wie wir es jetzt erleben.