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Japans Zinserhöhungen und die Folgen für die globalen Märkte
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Japans Zinserhöhungen und die Folgen für die globalen Märkte

Steigende japanische Zinsen könnten die globalen Kapitalströme umleiten und den Druck auf die Anleiherenditen erhöhen.

Wichtige Punkte

  • Mit dem Finanzierungsbedarf steigen auch die Emissionsvolumen am Anleihemarkt. Die Folge: Der Wettbewerb um globales Kapital verschärft sich, die langfristigen Zinsen steigen.
  • Weil die Staatsanleiherenditen auch in Japan steigen, könnten japanische Investoren dazu übergehen, mehr Kapital in Japan selbst zu investieren. Die Nachfrage nach US-Staatsobligationen würde dann zurückgehen.
  • Die robuste Konjunktur in Japan und die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen durch die Bank of Japan könnten die Renditen weiter in die Höhe treiben.

 

„Weil der Finanzierungsbedarf der Staaten steigt, passen die Märkte die Renditen an, um ausreichend privates Kapital anzuziehen. Japan spielt bei dieser Anpassung eine zentrale Rolle, denn höhere Renditen könnten japanische Investoren veranlassen, Anlagemöglichkeiten im In- und Ausland neu zu bewerten.“

Ales Koutny

Head of International Rates, Vanguard Europe

Der globale Wettbewerb um Kapital steigt, und damit auch die langfristigen Zinsen. Eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielt Japan, das in der Vergangenheit zu den wichtigsten Kapitalgebern für den Rest der Welt zählte.

Japanische Investoren haben in grossem Umfang ausländische Aktien und Obligationen gekauft, gleichzeitig avancierte der Yen dank der aussergewöhnlich niedrigen Zinsen des Landes zu einer wichtigen Finanzierungswährung für globale Carry Trades. In den letzten Jahren sind die Renditen auf japanische Staatsobligationen von annähernd null langsam gestiegen. Sollte sich dieser Prozess fortsetzen, könnte mehr Kapital in Japan selbst bleiben und damit eine wichtige Nachfragequelle für US-Staatsobligationen und andere globale Vermögenswerte teilweise austrocknen.

Als die USA und Japan Ende Juli gemeinsame Eingriffe zur Stützung des Yen vereinbarten, ging es unter anderem auch um genau dieses Problem. Zuvor war der Yen gegenüber dem US-Dollar auf den tiefsten Stand seit fast 40 Jahren gefallen, nachdem die niedrigen Leitzinsen die Währung unter Druck gesetzt und die Zinsen in die Höhe getrieben hatten, weil die Märkte vor dem Hintergrund der robusten Konjunktur einen Anstieg der Inflation befürchteten und an der Glaubwürdigkeit der Zentralbank zweifelten.

Wieso verschärft sich der Wettbewerb um Kapital?

Nicht nur Regierungen müssen erhebliche Schulden aufnehmen, um unter anderem in Verteidigung zu investieren; auch Technologieunternehmen begeben Obligationen, um den Ausbau Künstlicher Intelligenz zu finanzieren. Und weil die Zentralbanken ihre Bilanzen verkürzen, kommen wieder mehr Obligationenauf den Markt. Um diese Obligationen abzunehmen, verlangen Investoren eine höhere Prämie, und so steigen in wichtigen Märkten die Renditen.

Wir beobachten eine Verschärfung des Wettbewerbs um Kapital: Weil der Finanzierungsbedarf der Staaten steigt, passen die Märkte die Renditen an, um ausreichend privates Kapital anzuziehen. Japan spielt bei dieser Anpassung eine zentrale Rolle, denn höhere japanische Renditen könnten japanische Investoren veranlassen, Anlagemöglichkeiten im In- und Ausland neu zu bewerten.

Die Renditen, die Investoren überzeugen

Hinweis: Die hier dargestellten Renditen beziehen sich auf 30-jährige Staatsobligationen.

Quelle: Bloomberg; Stand: 26. August 2026.

Robuste Konjunktur

Japans wachsende Wirtschaft beschleunigt diesen Prozess noch. Die Konjunktur wird zunehmend von der Binnennachfrage getragen, zu der auch hohe Löhne, steigende Konsumausgaben und anhaltende Unternehmensinvestitionen beitragen. Japan ist eine „Hochdruckwirtschaft“: Die Nachfrage ist stärker als erwartet, und auch der strukturelle Arbeitskräftemangel trägt zum Lohnwachstum bei.

Die Inflation scheint sich zudem ausgeweitet und ihre Ursachen zunehmend im Inland zu haben. Zunächst trieben Importkosten und der schwächere Yen die Teuerungsrate in die Höhe, doch auch nach Bereinigung um temporäre staatliche Eingriffe wie Energiesubventionen liegt die Inflation weiterhin über dem Zielwert der Bank of Japan (BoJ) von 2%. Stärkere Nachfrage, anhaltendes Lohnwachstum und steigender Preisdruck sprechen dafür, dass die BoJ die Normalisierung ihrer Geldpolitik fortsetzen wird.

Die Frage ist nicht mehr, ob die Zinsen weiter steigen, sondern wie schnell. Wir haben unsere Zinsprognosen für Japan zuletzt angehoben und rechnen jetzt mit zwei weiteren Anhebungen um jeweils einen Viertelprozentpunkt auf 1,5% bis Jahresende sowie einem weiteren Anstieg im kommenden Jahr auf 2%.

Und trotzdem könnten die Märkte unterschätzen, wo sich die japanischen Zinsen letztendlich einpendeln werden. Die BoJ hat ihre Neutralzinsschätzung (der theoretische Zinssatz, der das Wirtschaftswachstum weder ankurbelt noch bremst) sehr breit gefasst; wir halten 2 bis 2,5% für eine natürlichere Zielspanne als die niedrigeren Zinssätze, die die Märkte aktuell eingepreist haben.

Dieser Weg erfordert die richtige Balance: Steigen die Zinsen zu langsam, könnte die Inflation anhalten und weiterhin Druck auf die Währung ausüben. Steigen die Zinsen zu schnell, könnte der Yen aufwerten, die Exportwirtschaft belasten und die Sorgen um die Kreditkosten der Regierung verstärken. Die Finanzkonditionen sind jedoch weiterhin expansiv, was dafür spricht, dass die BoJ Spielraum für weitere schrittweise Zinserhöhungen hat.

Für globale Anlegerinnen und Anleger ist die wichtigste Konsequenz aus der Entwicklung in Japan klar: Robustes Wirtschaftswachstum und steigende Zinssätze könnten dazu führen, dass Japan zunehmend um dasselbe Kapital konkurriert, das zur Finanzierung von Staatshaushalten, Unternehmen und KI-Investitionen benötigt wird. Das bedeutet auch: In den kommenden Jahren könnten die Renditen an den globalen Anleihemärkten weiter steigen.

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